Jedes Schiffswrack hat eine Geschichte, einige von ihnen sind abenteuerlich, andere werden vergessen. Die Geschichte der SS Laurentic ist einzigartig. Das Schiff schlummert am Meeresgrund bei Lough Swilly in Irland.

Die SS Laurentic wurde im Jahr 1909 zu Wasser gelassen und war zu diesem Zeitpunkt auf dem neusten Stand der Schifffahrtstechnologie. Kurz nach dem Ausbruch des Ersten Weltkrieges wurde die SS Laurentic im November 1914 als Transportschiff in Dienst gestellt. Der Schiffskonvoi von 20 Linienschiffen transportierte Truppen nach und von Europa.

Im Jahr 1916 wurde die SS Laurentic mit Deckskanonen ausgestattet und als bewaffneter Handelskreuzer eingesetzt, um auf den Patrouillen des Nordatlantiks zu dienen. Im Dezember desselben Jahres wurde es in den Heimathafen Liverpool zurückgerufen, um eine besondere Mission unter strenger Geheimhaltung zu erfüllen. Das Schiff wurde mit Munition und Goldbarren bepackt. Die Fracht an Bord soll damals einen Wert von 5 Millionen Pfund betragen haben.

Die letzte Reise der SS Laurentic

Am 29. Januar 1917 segelte die SS Laurentic unter dem Kommando von Kapitän Reginald Norton von Liverpool nach Halifax, Noca Scotia. Als das Schiff an der Nordostküste von Irland entlangfuhr, meldeten sich vier Männer krank und Norton wies umgehend an, die Männer am nächsten Hafen abzusetzen, da sie Symptome von Gelbfieber aufwiesen.

Nachdem die erkrankten Besatzungsmitglieder abgesetzt wurden, steuerte das Schiff in Richtung Fanad Head. Dort sollte eine Zerstörer-Eskorte abgeholt werden. In der Nacht wurde es jedoch sehr kalt und ein Schneesturm zog auf. Daraufhin traf Kapitän Norton eine fatale Entscheidung und beschloss, ohne die Eskorte fortzufahren. Er wurde gewarnt, dass ein U-Boot am Eingang des Sees entdeckt wurde und es ohne Eskorte gefährlich werden würde.

Nur 45 Minuten nachdem das Schiff weitersegelte, wurde es von zwei Minen getroffen, welche massive Explosionen verursachten. Die erste Explosion zerstörte das Schiff in der Mitte und es war praktisch unmöglich, mit Rettungsbooten zu fliehen. Der Maschinenraum wurde zerstört und die Schiffsgeneratoren ausgeschaltet, sodass das Schiff in völlige Dunkelheit geworfen wurde. Schlimmer war, dass ohne Strom keine Notsignale gesendet werden konnten.

Wenige Minuten später schlug die zweite Mine ein und beschloss somit das Schicksaal der SS Laurentic. Innerhalb einer Stunde versank das Schiff unter den Wellen. Einige Besatzungsmitglieder schafften es trotz der schweren Schäden am Schiff noch in Rettungsboote und ruderten in Richtung Fanad Ligthouse. Jedoch überlebten viele Besatzungsmitglieder diese Aktion aufgrund der bitterlichen Kälte nicht. Zu Ehren der 354 jungen Männer, die ums Leben kamen, wurde ein Royal Naval Memorial Monument in Devon erstellt.

Abenteuerlicher Tauchgang mit Genehmigung

Heute liegt das Schiff bei Lough Swilly in einer Maximaltiefe von 40 Metern. Aufgrund der Bergung der Goldbarren wurde das Schiff weiter beschädigt und einige Schiffsteile liegen verstreut am Meeresgrund. Die Kessel der SS Laurentic befinden sich in einer Tiefe von 30 Metern. Der Tauchgang ist ein aufregendes Erlebnis, jedoch sollte man ihn nicht auf die leichte Schulter nehmen. Die Erkundung ist nur erfahrenen Tauchern mit Genehmigung empfohlen. An dem 172 Meter langem Schiff schwimmen etliche Meeresbewohner herum und haben sich hier einen Lebensraum geschaffen. Auf dem Deck befinden sich immer noch die intakten Deckkanonen

(Titelbild: Ire DronePhotography – stock.adobe.com)

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